Kunstprojekt "Bevor ich sterbe, möchte ich..." - Lebensträume in der Stuttgarter Fußgängerzone

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Sonntag, 05.07.2020
 
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Interview | Beitrag vom 29.06.2020

Kunstprojekt "Bevor ich sterbe, möchte ich..."Lebensträume in der Stuttgarter Fußgängerzone

Susanne Kremer im Gespräch mit Ute Welty

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Tafel mit der Aufschrift ”Before I die …”. (Unsplash / Annie Theby / Bearbeitung: Deutschlandradio)
Auch in Deutschland gibt es jetzt die aus den USA stammende Aktion: “Bevor ich sterbe, möchte ich …”. (Unsplash / Annie Theby / Bearbeitung: Deutschlandradio)

Die Stuttgarter Königstraße hat durch Ausschreitungen traurige Berühmtheit erlangt. Nun startet dort ein Kunstprojekt: Passanten können mit Kreide aufschreiben, was sie noch vorhaben im Leben. Und genau darum gehe es auch und nicht um den Tod, betonen die Macher.

Dieses Projekt kann einen so richtig ins Grübeln bringen: In der Stuttgarter Innenstadt stehen nun Tafeln mit dem Halbsatz "Bevor ich sterbe, möchte ich …" Mit Kreide kann man den Satz vervollständigen. Das Projekt stammt ursprünglich von der US-Künstlerin Candy Chang. Nun hat die Caritas es zusammen mit weiteren katholischen Institutionen nach Stuttgart geholt und so findet es nun am Haus der katholischen Kirche in der Königstraße statt.

Die Königstraße hatte vor einer Woche wegen der dortigen, nächlichen Ausschreitungen traurige Berühmtheit erlangt.

"Gerade jetzt wichtiger denn je"

Zwischen Baumreihen seien nun etwa 2,30 Meter lange Tafeln aufgestellt worden, auf denen der Schriftzug "Bevor ich sterbe, möchte ich …" aufgebracht wurde, erklärt Susanne Kremer, Geschäftsführerin der Caritas Stiftung Stuttgart. Der Satz könne nun von jedem mit Kreide ergänzt werden.

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Die Aktion solle alle ansprechen, "die Stuttgarter Stadtgesellschaft", so Kremer – und nicht nur die Menschen, "die aus Altersgründen tatsächlich vielleicht darüber nachdenken, wie sie den letzten Teil ihres Wegs hier auf dieser Erde gestalten. "Es geht um das Leben und nicht um den Tod", betont Kremer. Deshalb hätten sie sich auch für das Projekt entschieden, trotz anfänglicher Zweifel angesichts der Corona-Situation. Kremer erklärt, es habe sich herausgestellt: "Gerade jetzt sind wir der Meinung, ist diese Aktion wichtiger denn je. Weil es uns darum geht, auch gemeinsam als Gesellschaft zu schauen, was uns wichtig ist."

Tafel abgewischt und wieder von vorne

Zu dem Projekt gehöre es, dass es vergänglich sei, sagt Kremer. Wenn eine Tafel voll ist, werde die Kreide abgewischt und es gehe wieder von vorn los. Vorher würden die Tafeln fotografiert. Zunächst sollen sie auf der Webseite der Caritas Stiftung Stuttgart präsentiert werden.

Candy Chang habe das Projekt 2011 in den USA gestartet nach dem Tod einer sehr guten Freundin, erklärt Kremer. Inzwischen habe es in etwa 78 Ländern stattgefunden.

(abr)

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